England London

Über Silvester spontan nach London

Silvesterfeuerwerk auf der Lambeth Bridge London

Die Tage werden spürbar kürzer, die Uhren sind auf Winterzeit gestellt und im Supermarkt stehen schon seit Wochen Lebkuchen und Spekulatius in den Regalen. Es wird Zeit um sich langsam Gedanken zu machen, wie und wo man Silvester feiern möchte – und Zeit von unserem letzten Silvester in London zu berichten:

Am 31.12. morgens hin, tagsüber Sightseeing, nachts Silvester feiern,  am 01.01. morgens wieder zurück. Ein Hotel braucht man daher nicht. Geschlafen wird zuhause. Klingt hart und ein bisschen verrückt. Und das war es auch…

Aber auch toll.

Wie es dazu gekommen ist…

Der gemeinsame Freundeskreis war bereits verplant, sich irgendwo einladen oder selber eine Party schmeißen stand also nicht zur Diskussion – und auf die Hamburger Silvesterklassiker wie Landungsbrücken oder Reeperbahn hatten wir wegen chronischer Überfüllung gepaart mit Unmengen an Alkohol und Böllern keine Lust. Es musste also eine Alternative her…

Zunächst als Schnapsidee, entstand die Idee in eine andere Stadt zu flüchten. Aus der Schnapsidee entwickelte sich binnen weniger Tage der konkrete Plan wirklich woanders zu feiern. Ziele wie New York oder Dubai haben es nicht über den Schnapsidee-Status hinaus geschafft. Das war uns für Spontan dann doch zu teuer und zu lang. Auch wenn wir kein konkretes Kostenlimit hatten, so sollte es natürlich kein Vermögen kosten und nicht länger als eine Nacht sein. Es musste also eine europäische Stadt sein, die sich gut und günstig erreichen lässt und wo Nachts genug los ist, dass man sich optimalerweise das Hotel sparen kann. Schnell stand London im Raum.

Während ich hier im Artikel schreibe, dass sich viele Leute bereits mehrere Monate vorher Gedanken über die Silvesterfeier machen (oder ggf. sogar noch früher), war es bei uns Anfang Dezember. Wir hatten also auch nicht mehr ewig Zeit zu Planen.

Vorbereitung

Gebucht haben wir letztendlich am 13.12. Abflug in Hamburg am 31.12. um 7:30, Rückflug am  01.01. um 8:50 für 160€ pro Person. Ein Hotel haben wir nicht gebucht, da man wenn überhaupt nur ein paar Stunden schlafen würde.

Die restlichen Tage verbrachten wir dann doch noch mit etwas Vorbereitung – um die wenigen Stunden die wir in London haben perfekt zu nutzen. Zum einen ging es darum zu überlegen, welche Sehenswürdigkeiten wir sehen wollen, wo diese liegen und wie man sie am sinnvollsten miteinander verknüpft. Zum anderen ging es natürlich darum herauszufinden, wo ein Feuerwerk stattfindet und wo man es am besten sehen kann.

Das Offizielle Feuerwerk findet am London Eye statt. Die Bereiche von denen man den besten Blick hat sind abgesperrt und kosten eintritt. Ungefähr 30€ pro Person wären zwar erschwinglich, doch war es zwei Wochen vor Silvester unmöglich noch an Karten zu gelangen. Wie sich später zeigen sollte war das auch nicht schlimm.

Minimales Reisegepäck

Minimales Reisegepäck

Da wir nun wussten wo das Feuerwerk stattfindet, haben wir uns mit Hilfe von Google Maps und Streetview potentielle Standorte herausgesucht, von wo aus man das Feuerwerk auch ohne Eintritt zu zahlen sehen kann.

Ein Tag Sightseeing – und nebenbei noch Silvester

Entgegen der Wettervorhersage landeten wir bei strahlendem Sonnenschein. Da wir nur mit Handgepäck unterwegs waren, konnten wir nach passieren von Passkontrolle und Zoll direkt weiter in die Stadt. Anstatt jede fahrt einzeln zu zahlen, haben wir uns noch am Flughafen eine Oystercard gekauft. Die Karte kostet 5GBP Pfand und kann mit Guthaben aufgeladen werden. Beim Betreten und verlassen der Stationen scannt man die Karte am Drehkreuz und es wird der jeweilige Betrag für die Fahrt abgebucht.

destination-tippMit einem aktuellen Reisepass oder dem „neuen“ Personalausweis kann man an der Passkontrolle die eGates nutzen und damit ggf. lange Warteschlangen umgehen.

Erster Stop  war der Piccadilly Circus, von wo wir uns zunächst mit etwas Proviant versorgt und anschließend Richtung Themse durchgeschlagen haben um als erstes unsere Feuerwerks-Spots zu begutachten.

Stadtplan Lambeth Bridge London

Stadtplan Lambeth Bridge

Wir haben uns für die Lambeth Bridge entschieden. Direkt außerhalb des kostenpflichtigen Bereichs gelegen und doch besserer Blick auf den Westminster Palace und das London Eye als von einigen kostenpflichtigen Bereichen.

Nachdem wir nun wussten wo wir um Mitternacht sein wollten, konnte das Sightseeingprogramm beginnen. Ich möchte jetzt aber gar nicht so viel über unser Sightseeing im Detail schreiben. Nur dass wir in den paar Stunden die wir hatten tatsächlich alles gesehen haben, was man in London sehen muss. Und bis etwa 18:00 Uhr hat man in de Stadt auch kaum gemerkt, dass Silvester ist. Vielleicht war es etwas voller als sonst, aber es hatten z.B. ganz normal alle Läden geöffnet.

Swiss re tower und big ben

Towerbridge

Tagsüber Sightseeing

Gegen Abend wurden dann einzelne Straßen gesperrt und die Einlasskontrollen zu den kostenpflichtigen Bereichen geöffnet. Nun merkt man langsam, dass es doch kein ganz normaler Tag ist.

Zeit totschlagen bis kurz vor Mitternacht

Gegen Abend, nachdem wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abgearbeitet hatten, war es langsam Zeit für eine Pause. Immerhin waren wir schon seit ungefähr fünf Uhr früh unterwegs und hatten noch ein paar Stunden vor uns. Da sich die Stadt nun doch langsam aber sicher mit Silvestergästen füllte, gestaltete sich die Suche nach einem geeigneten Restaurant als schwieriger als gedacht. Wir wollten nicht unbedingt bei McDonalds und Co. essen, natürlich aber auch kein Vermögen ausgeben. Mit nur 15 min Wartezeit für einen Tisch haben wir uns für das Garfunkel’s am Trafalgar Square entschieden.

Fish and Chips bei Garfunkel's

Fish and Chips bei Garfunkel’s

Als wir aufgegessen haben, wurde wir dann auch höflich aber bestimmt gebeten platz für die nächsten Gäste frei zu machen. Also ging es noch einmal weiter durch die Stadt, sich ein bisschen für die Nacht eindecken. Die Supermärkte hatten noch immer geöffnet, also haben wir uns jeder mit einer kleinen Flasche Sekt für Mitternacht sowie ein paar Flaschen Wasser versorgt.

Danach machten wir uns auf den Weg zurück zur Lambeth Bridge, wo wir ungefähr um 21:00 Uhr eintrafen. Die Brücke war schon ziemlich voll. Einen Platz in der ersten Reihe zu kriegen erschien uns als aussichtslos zumal wir dann noch rund drei Stunden dort hätten rumstehen müssen. Also sind wir weiter gegangen um uns ein Platz zu suchen an dem wir bis Mitternacht warten können. Kurz hinter der Brücke stießen wir auf das Novotel London Waterloo, wo wir uns in die Hotelbar setzten. Wie sich später zeigen sollte war das gleich in doppelter Hinsicht eine sehr gute Idee.

Symbolbild in der Hotellobby Sanduhr 31 Dezember

Symbolbild in der Hotellobby

In einer Ecke in der Lobby / Bar haben wir einen Platz in extrem gemütlichen Sesseln inkl. Steckdosen zum Handy aufladen gefunden und uns die Zeit mit ein paar Bier vertrieben.

destination-tippAuch für einen Kurztrip lohnt es sich einen Reiseadapter für die in England üblichen Commonwealth-Steckdosen mit drei Polen und eckigen Steckern mitzunehmen. Besonders wenn man z.B. seine Bordkarten ausschließlich digital auf dem Handy hat.

Mit der Idee in der Hotellobby zu warten waren wir nicht alleine. Zahlreiche Passanten kamen in das Hotel um dort auf Toilette zu gehen oder einfach um sich aufzuwärmen. Im Laufe des Abends hat das Hotel irgendwann Sicherheitskräfte vor der Tür positioniert, die nur noch Hotelgäste durchließen. Rechtzeitig da zu sein war also die erste gute Idee. Nur mal kurz zum Rauchen vor die Tür zu gehen ging dann allerdings nicht mehr.

Irgendwo in dieser Richtung wird das Feuerwerk stattfinden

Irgendwo in dieser Richtung wird das Feuerwerk stattfinden

Kurz vor Mitternacht haben wir uns dann wieder auf den Weg Richtung Brücke gemacht. Inzwischen war die Brücke komplett voller Menschen. Ursprünglich war wohl geplant, dass hier die Buslinien umgeleitet werden, die eigentlich über die Brücken im gesperrten Bereich fahren. Inzwischen ist man zu Fuß kaum noch über die Brücke gekommen, an Auto oder gar Busverkehr wäre gar nicht zu denken gewesen. Wie wir später gesehen haben war die Innenstadtzugewandte Seite der Brücke inzwischen komplett gesperrt, so das wir nur aufgrund dessen, das wir in der auf der Ostseite gelegenen Hotellobby gewartet haben überhaupt noch auf die Brücke gekommen sind.

Feuerwerk bis 0:15 Uhr , dann geordneter Rückzug

Pünktlich um 0:00 Uhr begann das imposante Feuerwerk, genau so pünktlich um 0:15 Uhr war es vorbei und die Zuschauer begannen in Scharen die Brücke zu verlassen. Um kurz nach Mitternacht waren wir fast alleine auf der Brücke. Durch die ganze Innenstadt zogen kleine Gruppen und überall fanden private Partys statt. Trotz der Masse an Menschen war die Stimmung ausgesprochen ruhig und friedlich. Ruhig ist dabei sogar wörtlich zu nehmen, geböllert wurde z.B. den ganzen Tag überhaupt nicht.

Nach dem Feuerwerk wandern die Zuschauer durch die Innenstadt

Nach dem Feuerwerk wandern die Zuschauer durch die Innenstadt

Partypeople am Trafalgar Square

Mit einem kleinen Umweg über den Buckingham Palace erreichten wir wieder den Piccadilly Circus. Auch hier war die Stimmung ausgelassen, die Stimmung begann aber nun langsam zu kippen. Es wurde lauter und unübersichtlicher und die Betrunkenen überwogen langsam die „normalen“ Feuerwerksbesucher. In einer Ecke machten Jugendliche Fotos mit einer Gruppe Polizisten. Im nächsten Moment haben die Polizisten einige der Jugendlichen Festgenommen. Ein betrunkener Schotte machte den Eindruck persönlich beleidigt zu sein und wurde leicht aggressiv, weil ihm nicht sagen konnten, wo der nächste McDonands ist. Dies war der Zeitpunkt an dem wir uns entschieden haben zum Flughafen zu fahren.

Nachtschwärmer am Piccadilly Circus

Nachtschwärmer am Piccadilly Circus

Schlange Stehen für die U-Bahn und kostenlos fahren

Während sich in Deutschland wahrscheinlich eine große Menschentraube gegeben hätte, die unkoordiniert auf die Treppe zur U-Bahn drückt, hat sich hier von ganz alleine eine Schlange gebildet. Die Leute sind ohne dass es irgendwelche Absperrungen oder dergleichen gegeben hätte geordnet und ohne zu drängeln die Treppe hinunter durch die Katakomben der U-Bahn auf die Bahnsteige gegangen. Obwohl mehrere hundert Menschen anstanden, waren wir innerhalb von wenigen Minuten in einem fast leeren Zug. Zumindest in Hamburg eine nahezu unvorstellbare Situation. Zudem war die Benutzung der U-Bahnen in der Nacht kostenlos.

Unzählige Menschen stehen nach dem Silvesterfeuerwerk für die U-Bahn am Piccadilly Circus an

Unzählige Menschen stehen nach dem Silvesterfeuerwerk für die U-Bahn an

Am Flughafen gegen die Müdigkeit ankämpfen und in einem fast leeren Flugzeug nachhause fliegen

Mitten in der Nacht sind wir am Flughafen angekommen. Trotz der Größe des Flughafens hat der Sicherheitsbereich nicht durchgängig geöffnet. Wir mussten also noch einige Stunden im öffentlichen Teil des Flughafens verbringen. Auch hier hatten wir großes Glück. Costa Coffe im Terminal 2 hatte die Nacht über auf. Zum einen konnten wir uns hier mit Wasser, Kaffee und Tee zum Wachbleiben versorgen,  zum anderen waren wir so früh am Flughafen, dass wir auch hier das große Sofa mit Steckdose  nehmen konnten. Nur kurze Zeit Später waren die gemütlichen Plätze vergeben.

Im übrigen gibt es in Heathrow kostenloses W-Lan. Zusammen mit Tee, Steckdose und Sofa ließ sich die Wartezeit also gut überstehen.

Als der Sicherheitsbereich öffnete sind wir dann auch durch die Pass- und Sicherheitskontrolle gegangen und haben die restliche Zeit am Gate gewartet. Während der frühe Hinflug am Silvestertag ausgebucht war, war der frühe Rückflug am Neujahrsmorgen fast leer. Zusammen mit nur ungefähr 30 weiteren Passagieren im Flugzeug  konnten wir es uns jeder in einer eigenen Sitzreihe gemütlich machen und schon ein bisschen vorschlafen.

Rückflug in einem fast leeren Flugzeug

Rückflug in einem fast leeren Flugzeug

 Fazit

Mein persönliches Fazit ist, dass ich sehr positiv überrascht war, wie ruhig ein Silvestertag sein kann. Geböllert wurde abgesehen vom offiziellen Feuerwerk um Mitternacht überhaupt nicht. Die Geschäfte hatten bis spät abends auf und die Menschen waren überwiegend entspannt und freundlich. Ist man kein Freund der „klassischen“ deutschen Massenveranstaltung, so kann ich einen Ausflug z.B. nach London nur empfehlen. Auch noch spontan.

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