Norwegen Oslo

Ein Tag in Oslo

Oslo Oper bei Nacht

Nachdem ich mich zu zwei Wochen Camping in Schweden habe überreden lassen, habe ich sozusagen als Kompromiss geguckt, was sonst noch so in der Nähe liegt.

Beschäftigt man sich ein bisschen mit der Materie lernt man schnell, dass „Nähe“ in Skandinavien eine ganz andere Bedeutung hat, als man es aus Deutschland kennt. Wenn man 30km zum nächsten Supermarkt fährt, kann man auch 350km für einen Tagesausflug fahren.

Ok, mit 350km je Richtung ist es für skandinavische Verhältnisse zwar noch in der Nähe, für einen Tagesausflug aber wohl trotzdem etwas übertrieben. Eine Übernachtung ist also erforderlich. AirBnB sei Dank ist schnell eine stylische Unterkunft in der Innenstadt gebucht und die Reise nach Oslo kann beginnen.

Anreise

Aus Deutschland kommend gibt es mehrere Möglichkeiten nach Oslo zu gelangen: Am schnellsten geht es natürlich mit dem Flugzeug. Unter anderem bieten Eurowings, SAS und Norwegian Nonstop Flüge an, die zwischen 1:30h und 2:15h, dauern, je nach dem von wo in Deutschland man fliegt.

Deutlich länger ist die Fahrt mit der Fähre, z.B: mit Color Line ab Kiel. Dafür hat man je Richtung noch einen Tag und eine Nacht Kreuzfahrt-Feeling und kann ggf. Sein Auto mitnehmen. Es ist also eine Geschmacksfrage.

Wir waren im Urlaub in Schweden und sind daher die ganze Strecke mit dem Auto gefahren.

Einreise

Norwegen gehört zwar nicht zu EU, aber zum Schengen-Raum. Bei der Einreise aus EU-Ländern gibt es also eine Zollkontrolle, aber keine Passkontrolle. Wie bei jedem Auslandsaufenthalt sollte man aber natürlich trotzdem seinen Personalausweis oder Reisepass dabei haben. Bei der Einreise mit dem Auto über den Landweg gab an dem Grenzübergang den wir  auf der Hinfahrt genutzt haben zwei Fahrspuren. Wie die Ausgänge am Flughafen eine Spur mit grünen Symbolen für „Nichts zu verzollen“ und eine mit roten Symbolen, über die man dann zur Zollkontrolle gelangt. Für die EU-Außengrenze war  es aber erstaunlich unspektakulär. Und wie wir auf der Rückfahrt erfahren sollten, geht es noch sehr viel unspektakulärer.

Der „Große“ Grenzübergang zwischen Schweden und Norwegen

Autofahren

Denke ich an Autofahren in Skandinavien, fallen mir vor allem zwei Dinge ein: Erstens immer mit Licht fahren und zweitens, dass es drastische Strafen bereits für geringe Geschwindigkeitsverstöße gibt. Das mit dem Licht stimmt, das mit den hohen Strafen für zu schnelles fahren stimmt wohl auch – es scheint nur niemanden zu interessieren. Erhebliche Geschwindigkeitsüberschreitungen trotz zum Teil eher schlechter Straßenverhältnisse scheinen selbstverständlich zu sein.

Anders sieht es in mit dem Parken aus. 5m vor und hinter einer Kreuzung gilt in Norwegen absolutes Halteverbot. Markiert wird dieser Bereich durch einen kleinen Strich auf der Fahrbahn. Im Gegensatz zu Geschwindigkeitsüberschreitungen scheint dies auch intensiv kontrolliert zu werden. Jedenfalls werden die Kreuzungsbereiche auch in innenstadtnahen Wohngebieten, in denen in Deutschland Parkplatz-Anarchie herrscht, in Oslo brav freigehalten.

Ernstzunehmende Autobahnen gibt es eigentlich nur im Großraum der Städte, ansonsten handelt es sich eher um Landstraßen. Die Autobahnen sind allerdings zum Teil Mautpflichtig. Erhoben wird die Maut mit digitalen Kontrollstellen, die man einfach durchfahren kann. Laut der offiziellen Mautbetreiber Homepage werden auch ausländische Autofahrer zur Kasse gebeten. Während aus Stockholm etwa einen Monat nach durchfahren der dortigen Mautstrecken eine Rechnung nach Deutschland kam, haben wir aus Oslo bis heute, also rund ein halbes Jahr nach der Reise noch nichts gehört. Ich nehme auch nicht an, dass da jetzt noch etwas kommt.

Verständigung und Bezahlung

Englisch wird überall und fast selbstverständlich gesprochen. Selbst die Bedienungen bei McDonands haben bei unserem Besuch untereinander Englisch gesprochen. Kreditkarten sind in Skandinavien viel weiter verbreitet und akzeptiert als bei uns. Während in Deutschland erst in den letzten Jahren die großen Geschäfte einigermaßen flächendeckend Kreditkarten akzeptieren und viele kleine Geschäfte nicht einmal EC-Karten akzeptieren, ist dies in Skandinavien selbstverständlich. So war dies wahrscheinlich mein erster Auslandsaufenthalt, den ich komplett ohne Bargeld bestritten habe.

Endlich in Oslo

Nach einer langen Fahrt, die vor allem über Landstraßen führte und einem der heftigsten Regenschauer, den ich jemals erlebt habe, sind wir gegen 15:00 und bei strahlendem Sonnenschein endlich in Oslo angekommen. Als erstes Stand das Treffen mit unserem Airbnb Gastgeber Håkon auf dem Plan, der uns die Schlüssel für seine stylische Wohnung in der Nähe der Innenstadt überreichte.

Blick von der Dachterrasse unserer Wohnung in Oslo

Blick von der Dachterrasse unserer Wohnung in Oslo

Das interessanteste was uns die Stadt nach einer Woche im Zelt bieten konnte, war ein echtes Bett. Einerseits ärgerlich, gerade in Oslo angekommen zu sein erst einmal Mittagsschlaf zu machen, andererseits waren wir auch einfach nur fertig. Das Tatsächliche Sightseeing begann also erst am frühen Abend. Da ich nicht nur Nachtmensch bin, sondern auch lieber im dunklen fotografiere, hat mich das nicht wirklich gestört.

Statt „Ein Tag in Oslo“ könnte der Artikel auch eine Nacht in Oslo heißen.

Barcode

Entlang der gesamten Uferlinie wurden und werden noch immer ehemalige Hafenanlagen mit schicken Wohn und Geschäftshäusern bebaut. Mein Stadtplanerherz schlägt dabei natürlich gleich ein bisschen höher. Das Viertel „Barcode besteht aus mehreren länglichen, dicht nebeneinander stehenden Gebäuden, die von oben eben wie ein Strichcode aussehen. Zugegebenermaßen muss man keinen extra Abstecher zum Barcode machen,  denn so wahnsinnig spektakulär ist es nicht. Der Barcode lag aber auf unserem Weg, so dass hier nur ein kurzer Fotostopp im vorbeigehen erfolgte.

Panorama des Barcodes in Oslo

Panorama des Barcodes in Oslo

Oper am Tag

Das eigentlich erste Ziel war die neue Oper von Oslo. Das Eckige Gebäude ist ebenfalls im Rahmen der Hafenkonversion entstanden und soll einen Eisberg darstellen. Wenn man es weiß und ein bisschen Fantasie hat, kann man es von etwas weiter weg vielleicht sogar erahnen. Passend dazu „treibt“ vor der Oper eine Kunstinstallation aus Stahl und Glas im Wasser, die wie eine Eisscholle aussieht.

Oslo Oper von weitem

Oslo Oper von weitem

Im Rahmen der Reiseplanung habe ich gesehen, dass man irgendwie auf das Dach der Oper kann. Nur wie habe ich nicht herausgefunden. Da wir von der Rückseite gekommen sind, haben wir zunächst nach einer Treppe bzw. nach einem Eingang und eigentlich auch nach einer Kasse gesucht. Etwas enttäuscht nichts gefunden zu haben und nicht einmal eine Ausschilderung für die Aussichtsterrasse zu sehen, umrundeten wir das Gebäude.

Von der Vorderseite war dann schnell klar, warum die „Aussichtsterrasse“ nicht ausgeschildert ist. Es gibt nämlich keine. Stattdessen ist das gesamte Dach begehbar. Man kann – und darf einfach das schräge Dach hochlaufen.

Von oben hat man noch einmal einen schöneren Blick auf den Barcode und das benachbarte Bjørvika sowie in Richtung Innenstadt.

Auf dem Dach der Oper

Auf dem Dach der Oper

Blick auf den Barcode vom Dach der Oper

Blick auf den Barcode vom Dach der Oper

Innenstadt

Christiania Torv in der Innenstadt

Christiania Torv in der Innenstadt

Fußgängerzone Karl Johans Gate in der Innenstadt

Fußgängerzone Karl Johans Gate in der Innenstadt

Von der Oper gingen wir weiter Richtung Westen durch die Rådhusgata und von dort kreuz und quer durch die Innenstadt. Ganz Oslo scheint eine riesige Baustelle zu sein. Nicht nur die großen Baustellen am Wasser, wo die neuen Stadtteile entstehen, auch zwischendurch wird fast an jeder Ecke gebaut.

Inzwischen ist es schon nach 21:00 Uhr und es fängt wieder an zu regnen. Es ist also Zeit für eine kombinierte Abendessen- und Regenpause.

Fußgängerzone Karl Johans Gate in der Innenstadt

Fußgängerzone Karl Johans Gate in der Innenstadt

Parlament und Grand Hotel in der Innenstadt von Oslo

Parlament und Grand Hotel in der Innenstadt von Oslo

Aker Brygge

Nach einem Abstecher zum Schloss ging es nach Aker Brygge. Hierbei handelt es sich ebenfalls um ehemalige Industrie- und Hafenanlagen. Inzwischen befinden sich hier in den Erdgeschossen schicke Restaurants und Geschäfte und darüber teure Wohnungen und Büros. Anders als in den anderen Neubaugebieten sind hier allerdings viele alte Gebäude erhalten. Am Wasser gibt es eine Promenade mit Restaurants und auch an einem Montag um 23:15 Uhr war hier noch viel los.

Alte Fabrikgebäude in Aker Brygge

Alte Fabrikgebäude in Aker Brygge

Promenade in Aker Brygge

Promenade in Aker Brygge

Friedens-Nobelpreiscenter und Rathaus

An der Nordöstlichen Ecke von Aker Brygge befindet sich das Friedens-Nobelpreis Center und direkt daneben das Rathaus Oslos.

Friedens-Nobelpreis Center

Friedens-Nobelpreis Center

Rathaus Oslo

Rathaus

Festung Akershus

Die Festung Akershus gehört wohl ebenfalls zum Oslo-Pflichtprogramm. Abgesehen davon, dass die Festung inzwischen um 0:30Uhr natürlich geschlossen hat, reicht es mir auch so etwas von außen anzugucken. Zum Glück war die Festung noch voll beleuchtet. Einen geeigneten Fotopunkt haben wir schließlich im Hafengebiet gefunden, was auch tatsächlich noch als Hafen genutzt wird.

Ferstung Akershus

Ferstung Akershus

Oper bei Nacht

Der letzte Punkt auf meiner Must-See Liste war noch einmal die Oper, allerdings bei Nacht. Der Weg führte uns entlang der Fährterminals und andere Hagfenanlagen. Mitten in der Nacht nicht der schönste Ort um mit einer teuren Kamera in der Hand und ohne zu wissen wo man ganz genau ist rumzulaufen.

Blick über den Hafen Richtung Aker Brygge

Blick über den Hafen Richtung Aker Brygge

Aber wie auch bei uns im Hafen treiben sich in solchen Gegenden Nachts einfach nicht besonders viele Menschen herum. Da ist der Hauptbahnhof sicherlich ein viel gefährlicheres Pflaster, obwohl hier viel mehr Menschen unterwegs sind.

Um 1:00 Uhr Nachts sind wir schließlich wieder an dem Fotopunkt für die Oper, den wir bereits auf dem Hinweg erkundet haben.

Oslo Oper bei Nacht

Oslo Oper bei Nacht

Der Rückweg von der Oper zurück in die Wohnung erscheint viel Länger als der Hinweg. Um 2:30 Uhr sind wir endlich wieder in der Wohnung. Trotzdem kann ich es mir nicht verkneifen noch einmal die steile Treppe zur Dachterrasse zu erklimmen, bevor es ins Bett geht.

Blick von der Dachterrasse bei Nacht

Blick von der Dachterrasse bei Nacht

Skisprungschanze Holmenkollbakken

Der Nächste Tag beginnt mit einem mittäglichen Frühstück mit Knäckebrot und einem undefinierten aber überraschend leckeren Aufstrich. Der Check-Out erfolgte durch Tür zuziehen und Schlüssel unter die Fußmatte legen. Skandinavische Gelassenheit vielleicht.

Bevor es wieder zurück nach Schweden gehen sollte, stand noch ein Besuch bei der Skisprungschanze Holmenkollbakken an. Nach einer halben Stunde Fahrt zunächst durch die Stadt und anschließend durch enge Serpentinen auf den Berg Holmenkollen erreichten wir das imposante Bauwerk.

Oben auf der Sprungschanze gibt es eine Aussichtsterrasse. Der Eintritt kostet 130 Norwegische Kronen, umgerechnet etwa 15 Euro pro Person. Es gibt nur einen kombiniertes Ticket für die Aussichtsplattform zusammen mit dem Museum. Letzteres ist eigentlich nur eine Sammlung historischer Skier und Modellen der Skisprungschanzen, die vor dem aktuellen Bauwerk auf dem Holmenkollen standen. Der größte Teil des „Museums“ ist der Souvenirshop.

Trotzdem lohnt sich die Fahrt auf den Holmenkollen. Zumindest bei gutem Wetter hat man  von hier einen großartigen Blick über Oslo, den Fjord und die angrenzenden Berge.

Skisprungashanze Holmenkollbakken

Skisprungashanze Holmenkollbakken

Blick von der Aussichtsplattform auf der Sprungschanze

Blick von der Aussichtsplattform auf der Sprungschanze

Der Grenzübergang

Für die Rückfahrt nach Schweden haben wir uns für eine andere Route als auf der Hinfahrt entschieden.  Doch zunächst mussten wir es erst einmal vom Holmenkollen wegkommen. Der Weg führte uns zwar auf die Autobahn, aber dennoch quer durch die Stadt und von einem Stau in den Nächsten.

Die Straßen wurden letztendlich immer kleiner und hatten zum Schluss kaum bessere Qualität als ein Feldweg, was allerdings auch keine Seltenheit in Skandinavien ist.

Wegweiser nach Schweden

Nach Schweden halb Links abbiegen

Auf dem Weg zur Grenze stehen mehrfach Schilder, dass der Weg Videoüberwacht ist und man den Weg nur passieren darf, wenn man keine Zollpflichtigen oder verbotene Güter transportiert. Ehrlich gesagt haben wir nicht eine Kamera gesehen und Zollpflichtige Güter hatten wir sowieso nicht dabei. Neben den Klassikern wie Alkohol und Tabak, gibt es in Norwegen übrigens eine Ausfuhrbeschränkung für Fisch. Wer vor hat dort zu Angeln oder einen größeren Einkauf zu Tätigen, sollte sich also zuvor über die Zollvorschriften genauer informieren.

Nach fast vier Stunden haben wir die 120km lange Strecke vom Holmenkollen zur Grenze endlich geschafft. Die Grenze selbst besteht ausschließlich aus einer Schneise im Wald und einem riesigen Schild mit Europa-Flagge mit der Aufschrift „Sverige“.

Wir Scherzten noch, dass außer uns Touristen hier bestimmt nur Schmuggler für Schnaps und Zigaretten langfahren. In diesem Moment fuhr ein Auto mit absurder Geschwindigkeit an uns vorbei, das einen Anhänger mit einem riesigen Tank hinter sich herzog. Auf dem Schotterweg darf man auf der schwedischen Seite übrigens tatsächlich 70km/h, auf der Norwegischen sogar 80km/h fahren.

Grenze Norwegen-Schweden

Grenze Zwischen Norwegen und Schweden, Blick Richtung Schweden

Grenze Norwegen-Schweden, Blick Richtung Norwegen

Grenze Norwegen-Schweden, Blick Richtung Norwegen

 

Keine Kommentare

Schreibe ein Kommentar...